
Ich habe die Alte gefragt, was das Jahr des Feuerpferdes wirklich bringt, gerade für uns erschöpften, hochsensiblen Empathen.
Sie hat nicht gelächelt. Sie hat auch nicht prophezeit. Sie hat ins Feuer geschaut und sie sagte: “ Das Pferd kehrt im Zeichen des Feuers nach 60 Jahren zurück. Aber viele verstehen es falsch. Ihr denkt an Sturm, an Aufbruch, an Revolution. Doch das Pferd, das wiederkommt, ist älter geworden“.
Sechzig Jahre, ein kompletter Atem der Zeit. 1966 wurde geflüstert, Feuerpferd-Mädchen seien zu gefährlich, zu eigen, zu unzähmbar für Ehe und Ordnung. Man hoffe auf weniger Töchter, aus Angst vor ihrem Feuer. Doch diese Töchter und alle die in den darauffolgenden Jahren kamen, sind heute eigenständige Frauen. Viele von ihnen sind im Wechsel. Viele von ihnen tragen Narben von dem Kampf um die Emanzipation.
Sie haben gewütet, geliebt, gebrannt, funktioniert und sind müde geworden. Die Alte legt Holz nach. „Damals war das Feuer ein Aufstand. Heute ist es Einweihung.“ Feuerpferd heisst nicht nur Geschwindigkeit, es heisst Herz, Blut, Wille, Leidenschaft, Eigenständigkeit. Doch Feuer hat Schattierungen. Es gibt das lodernde, alles verschlingende und es gibt die Glut, die eine ganze Nacht wärmt.
Frauen jenseits der 40 müssen nicht mehr galoppieren, um ihren Wert zu beweisen. Menopause, Depression, Erschöpfung ist kein Verlust. Sie ist Entbindung vom Dauerlauf. Das Blut hat sich zurückgezogen. Die Energie sammelt sich neu. Das Pferd wird nicht schwächer, es wird selektiv.
Die Alte sagt: “ Wenn junge Pferde rennen, zertrampeln sie manchmal den Boden. Wenn alte Pferde gehen, kennen sie den Weg“.
Dieses Feuerpferd 2026 ist kein zweiter Feminismus. Es ist die Reife dessen, was damals begonnen hat. Damals war es Aufbruch. Heute ist es Verkörperung. In schamanischen Linien wird eine Frau nach dem Bluten zur Hüterin des Feuers. Sie tanzt weniger, sie hält mehr. Sie bestimmt den Rhythmus der Trommel. Das Pferd wird nicht gezähmt, es wählt sein Tempo.
Vielleicht bedeutet dieses Jahr: Nicht mehr gegen die Welt galoppieren, sondern so tief im eigenen Körper stehen, dass die Welt ihren Takt spürt. Für die Jungen mag es Sturm sein. Für euch kann es Heimkehr sein. Heimkehr ins eigene Mass, ins eigene Feuer. In eine Würde, die nichts mehr beweisen muss.
Die Alte hebt den Blick: „Das wahre Feuerpferd ist nicht das, das rennt. Es ist das, das stehen bleibt und dennoch nicht gebrochen ist.“ Und vielleicht ist genau das die neue Ära. Nicht mehr kämpfen, um frei zu sein. Sondern frei sein und dadurch das Feld verändern.
(Moksha Devi)
Diesen Text habe ich von einer Freundin erhalten. Wir sind beide Feuerpferde und haben uns in der Jugend kennengelernt. Einige wilde Jahre haben wir gemeinsam erlebt, uns gegenseitig getröstet, wenn es mal wieder zu „heiss“ wurde im Leben. Heute noch verbindet uns das innere Feuer und der Mut, der uns immer wieder vorwärts treibt, einfach gelassener, ruhiger und mit viel Humor.
Danke Moni für deine treue Freundschaft !

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